Samstag, 26. Oktober 2013

Turkmenistan

Am 18.10.2013 geht es mit diversen Marschrutkas in das unbekannte Turkmenistan.

Ueber Turkmenistan gibt es so gut wie keine Informationen.
Mit unserem Transit-Visa duerfen wir fuenf Tage im Land bleiben,
muessen aber offiziell auf dem direkten Weg das Land durchqueren
und duerfen uns keine touristische Orte anschauen. 
Auf den ersten Metern fuehlen wir uns wie in einem ehemaligen DDR Film.
Auch das Interview an der Grenze ist nicht gerade angenehm. 
Hinter der Grenze treffen wir auf sehr hilfsbereite Usbeken und Turkmenen, die uns nach Konye-Urgench bringen. Der Ort liegt nicht direkt auf unserem Weg, hat aber eine interessante Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurueck reicht.
Da wir vorab schon vor horrenden Hotelpreisen gewarnt worden sind,...
...sind wir froh, in einer Pilgerherberge fuer lau unterkommen zu koennen.
Fuer uns hat sich der kleine Umweg alleine schon durch die interessanten
Erfahrungen in der Herberge ausgezahlt - auch wenn wir vieles nicht verstehen.
Am naechsten Morgen besichtigen wir die versunkene Stadt Urgench, die
von den Mongolen vernichtet wurde und spaeter durch die Veraenderung
des Amu-Darya Flusslaufes an anderer Stelle wieder aufgebaut wurde.   
Das Turabeg Khanum Mausoleum gilt als eines der schoensten Gebauede...
...in Zentralasien und gefaellt uns, da es nicht uebertrieben restauriert ist.
Wir nehmen Abschieden von unseren Gastgebern...
...und steigen, nach ueber einer Stunde Verhandlung, in ein Auto Richtung Ashgabat.
Vor dem sandigen Abschnitt der Karakum Wueste sehen wir, genauso
wie in weiten Teilen  Usbekistans, nochmal viele Felder mit
 dem Grund fuer die Umweltkatastrophe in der Region - Baumwolle.
In grossen Sammelstellen wird die Baumwolle aufgearbeitet.
Auf halben Weg steigen wir bei Derweze aus dem Auto, um 7 Kilometer
 in die Wueste zu laufen und uns etwas ungewoehnliches anzusehen.
Mitten in der Karakum-Wueste wurde 1971 bei Probebohrungen eine Hoehle mit Gas gefunden. Der Boden unter der
Plattform kollabierte, wodurch ein Loch von 50 bis 100 Metern Durchmesser entstand und Gas entweichen konnte.
Durch das hohe Treibhauspotential von Methan wurde beschlossen, die freigesetzen Gase abzufackeln, da das Verbrennungsprodukt Kohlenstoffdioxid weniger schaedlich fuer die Umwelt ist. Es wurde angenommen, dass das Feuer nach ein paar Tagen von alleine verloeschen wuerde. Es brennt bis heute.
Bei Nacht wird schnell klar, wieso das Loch auch "Tor zur Hoelle" genannt wird. Fuer uns ist diese sehr ungewoehliche Attraktion ein Highlight auf dieser Tour - in den Augen der turkmenischen Autoritaeten eher ein nicht gerne gesehener Makel. Nach einem Besuch des Praesidenten 2010 wurde beschlossen, das Feuer zu loeschen und den Ort Derweze von allen Landkarten zu tilgen. Wohl deswegen ist der Krater, nach Listung des Magazins GEO, einer der am wenigsten besuchten touristischen Orte der Erde.  
Tags darauf werden wir von einem LKW-Fahrer mit nach Ashgabat genommen.

Ashgabat ist ein Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenstrassen und wurde
bei einem Erdbeben 1948 fast voellig zerstoert.
Wir mieten uns in ein altes Sowjet Hotel ein, das nach dem Erdbeben gebaut
und seitdem nicht mehr renoviert wurde. Das Fruehstueck, bestehend aus
hartgekochten Eiern und Milchreis, stammt wohl auch noch aus jener Zeit.
Nach der Unabhaengigkeit 1991 entstanden unter dem Praesidenten auf
Lebenszeit so einige monumental Prachtbauten und Denkmaeler, wie z.B. das
des Praesidenten, der auf der Erdkugel sitzt, die von einem Bullen getragen wird.
Generell kann man, wegen der uebertriebenen Polizeipraesenz, nur sehr wenig
fotografieren. Da derzeit das Probemarschieren fuer den Unabhaengigkeitstag
stattfindet koennen wir nichts fotografieren, da es nur so von Soldaten und
Polizisten wimmelt. Es wird auch fleissig gefegt und die Wege feucht gewicht.
Nach dem Tot des alten Praesidenten auf Lebenszeit wurde dieses Amt
von dessen Zahnarzt uebernommen, der nun seinen Personenkult foerdert.
Bei Niesel und ungemuetlichen 14 Grad wirkt die Stadt noch kaelter und leblos. 
Unterhaltsam sind Details wie die klimatisierten Bushaeuschen.
Wir verzichten auf Attraktionen, wie dem groesste Indoor-Riesenrad oder
 dem viert-hoechsten Flagenmast der Welt und bereiten uns auf den
Antritt unseres letzten Visums und auf unser naechstes Ziel vor - Iran!
An unserem letzten Transit-Visa-Tag verlassen wir Turkmenistan.

Größere Kartenansicht

Das waren 7000 Kilometer und unzaehlige Hoehenmeter in 70 Tage Stan's.

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