Sonntag, 1. Dezember 2013

Tehran

Am 23.11.2013 geht es nach Tehran, unserer letzten Station im Iran.

Bei der hochwertigen Verpflegung im Bus und dem dauerhaften Fast-Food
Konsum wundern wir uns nicht mehr ueber die hiessige Diabetesrate.
Auf der Fahrt sehen wir die ersten Berge, die den Norden und Schnee ankuendigen.
In Tehran dann wieder das alte Bild in den oeffentlichen Verkehrsmitteln.
Wir kommen bei Jens unter, der im liberalen Norden der Stadt wohnt und...
...der uns eine ganz andere Seite des Landes zeigt. In diesem Teil
der Stadt sind die Menschen sehr westlich orientiert, was wir auch daran
merken, dass das Kopftuch in der Regel irgendwo am Hinterkopf haengt. 
Tehran hatte um 1800 gerade mal 1500 Einwohner. Heute schauen wir auf eine 15 Millionen Metropole, gepraegt durch Verkehr, Laerm, Smog und gigantische Mietpreise, die unterschiedlicher nicht sein koennte. Der reiche Norden grenzt an das Elbrus-Gebirge und liegt auf ca. 1700 Metern Hoehe, was im Sommer den Vorteil eines angenehmen kuehlen Klimas hat.
Hier kann man mit der Seilbahn hoch ins Totschal Skigebiet fahren. Seit ein
paar Tagen liegt ausreichend Schnee, weswegen der Andrang riessig ist.
Der Sueden der Stadt grenzt an die Salzwueste Dasht-e Kavier und liegt nicht nur geographisch mit ca. 1000 Metern deutlich unter dem Nord Tehrans. Hier, im alten Zentrum der Stadt, wohnen die weniger Gutbetuchten. Es ist hier 5° Celsius waermer, gegenueber dem Norden und wir sehen wieder ueberall Frauen in der klassischen, schwarzen Chador und fuehlen uns daher wieder wie im traditionellen Iran. 
Wir werden weder Kopftuch noch die Chador vermissen.
Die Stadt, die in kuerzester Zeit, auch durch die beschleunigte Geburtenrate
waehrend des Iran-Irak-Krieges, extrem gewachsen ist, ist ein staedtebauerisches...
...Desaster. Es gibt weder genuegend Wohnungen, noch ein effektives
Strassennetz oder ausreichende, oeffentliche Verkehrsmittel.
Zum Teil wird das mit den Sanktionen erklaert, die die Wirtschaft des Landes
schwer belasten. Andere Stimmen sprechen aber auch von der Einfaelltigkeit...
...der Regierenden, die Religion als Allheilmittel proklamieren. Das daran
nicht alle Iraner glauben, haben wir in den letzten Wochen erfahren.
In welche Richtung sich das Land entwickelt, dessen Bevoelkerung
zu 50% unter 30 Jahren alt ist und am weltlichen Leben sowie der
Globalisierung teilhaben will, wird sich in naher Zukunft zeigen.
Zum Abschied schauen wir uns noch ein paar historische Gebaeude aus
der Zeit des Schahs an. Der Sommerpalast im Norden der Stadt.
Da der Iran durch seine Oelvorkommen, Bodenschaetze und vorallem seiner
geographischen Lage eine wichtige Rolle im Nahen Osten spielt, war der Schah
ein Schiedsrichter, der vor der Revolution Einfluss auf die Weltpolitik hatte.
Persischer Luxus gehoerte zum guten Ton.

Viele Dinge haben wir in der kurzen Zeit nicht durchblicken koennen.
Interessant und nachdenkenlich gestimmt hat uns der Besuch in einem
Land, in dem uns viele erzaehlten, es wuerde sich derzeit nicht lohnen zu
arbeiten, weswegen sie auf bessere Zeiten warten oder ins Ausland
 moechten. In einigen Familien muessen hingegen schon die Juengsten
mithelfen, damit es ueberhaupt zum Ueberleben reicht. Selten
hat das, durch Politik und Medien gepraegte, Bild eines Landes so
wenig mit ihren Mensche zu tun, wie wir es im Iran erlebt haben. 
Fuer uns geht es weiter, mit dem Zug nach Ankara.

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