Samstag, 10. August 2013

Turpan

Am 02.08.2013, nach einer angenehmen Nacht im Nachtzug, sind wir in Turpan angekommen. Jetzt sind wir in der uigurisch autonomen Provinz Xinjiang. Hier leben ueberwiegend Turkvoelker – die groesste Volksgruppe sind Uiguren. Durch die "Go West" Politik Chinas, welche zum Ziel hatte den bevoelkerungsarmen Westen zu besiedeln und konjunkturell zu staerken, wurden auch die Machtverhaeltnisse in der Provinz verschoben. Mittlerweile wird die Bevoelkerung fast zur Haelfte von Han Chinesen gestellt und die Uiguren stellen, mit verschiedenen Minderheiten zusammen, nur ca. 50% der Provinzbevoelkerung.

Vieles ist hier anders! Es gibt eine lokale Zeit, die 2 Stunden vor Beijing
Zeit liegt. Auch wird hier gerne das eigene Bett auf die Strasse gestellt,
weil es sich dort angenehmer schlafen laesst.
Turpan liegt in der gleichnamigen Senke, die an der tiefsten Stelle 155m
unter dem Meerespiegel liegt. Mit Durchschnittstemperature von 36-39 Grad
Celsius ist sie somit die tiefste und gleichzeitig heisseste Stadt Chinas.


Zum ersten mal auf dieser Reise sind wir froh darueber, dass
das Chinahotelzimmer gerne mit Klimaanlage kommt.
In den letzten Monaten wurde vermehrt von gewaltsamen Konflikten zwischen
Uiguren, die Autonomie und freie Religionsausuebung fordern, und der
Polizei berichtet. Die chinesische Regierung reagiert mit deutlich erhoehter
Polizei-, sowie Militaerpraesenz und dem Ausbau der Ueberwachungsanlagen.
Im krassen Gegensatz dazu steht das Bild, das im oertlichen Museum
vermittelt wird. Dort findet man neben sehr "interessanten" Exponaten auch
die lobende Erwaehnung des friedlichen Miteinanders und der Intergration
    der verschiedenen Voelkergruppen.
"Today, all our ethnic groups living on this land like Uyghur, Han, Hui,
Kazak, Tujia, Manchu, Mongolian, Tu, Tibetan, Miao, Zhuang and
Dongxiang etc. continue to make concerted efforts to promote the
great unity of all ethnic groups and social prosperity"
Bekannt ist Turpan in China aber fuer seine Trauben und Melonen, die trotz
der  hohen Temperaturen und dem so gut wie nicht vorhandenen
Niederschlag angebaut werden. Mithilfe von unterirdischen Karez Kanaelen
wird das benoetigte Wasser von den Gebirgen im Norden in die Senke geleitet.
Aufgrund der ueberwiegend muslimischen Bevoelkerung werden die Trauben allerdings nicht zu Wein,
sonder groesstenteils zu Rosinen verarbeitet.
Die geernteten Trauben werden hierfuer in Traubenhaeusern vor der Stadt getrockenet.
Nach 20 Tagen in der trocken Luft werden aus 50 Tonnen Trauben 5 Tonnen Rosinen.
Wir essen die Trauben lieber so - geschenkt sind sie am Besten!
Von einem Berg am Rande der Stadt hat man einen guten Ueberblick ueber die Oase. Die Region wurde bereits
1800 v. Chr. besiedelt. Auf der linken Bildseite erkennt man die Ueberreste der Stadt Jiaohe, welche 108 v. Chr bis
450 n. Chr. Hauptstadt des frueheren Reiches Chesi war, aber bereits waehrend der Han-Dynastie von den Chinesen eingenommen und als Festung genutzt wurde. Jiaohe wurde auf einem 30m hohen Plateau inmitten eines Flusses
gebaut und bot perfekte natuerliche Verteidigungsmoeglichkeiten. Die steil abfallenden Klippen boten mehr Schutz als eine Stadtmauer.
Die Stadt und die Region wurde in den Jahrhunderten trotzdem abwechselnd
von Tuerken, Kirgiesen, Mongolen und Chinesen hin-und-her erobert, bis sie
schliesslich in der Mitte des 13. Jahrhunderts niederbrannte.
Jiaohe gehoert zu den besterhaltensten, historischen Wuestenstaedten der Welt.
Auf dem 1650m langen und maximal 300m breiten Plateau, befinden sich
im westlichen und oestlichen Teil Wohngebaeude, waehrend der
noerdlicheTeil buddhistische Tempel, Stupas und ein Kloster beherbergt.
Zur Mittagszeit ist es am heissten, entsprechend weniger chinesische Touristen schieben sich durch die Ruinengassen.
Trotz chinesicher "Konservierungsmassnahmen" lassen sich noch viele
Gebauede in ihrer urspruenglichen Art erkennen.
Auch Turpan liegt auf der Pauschalreiseroute 2015.
In der muslimisch dominierten Provinz fuehlt sich China sehr
anders an. Andrea wird generell ignoriert und Manuel muss
das, fuer jede Kleinigkeit noetige, Verhandeln uebernehmen.
Maerkte werden hier zu Basaaren und das Angebot an Zuckerware…
…orientalischen Gewuerzen und zum Glueck auch
an Naanbrot nimmt drastisch zu.
Manuel findet nuetzliches Zubehoer.
Hochhaeuser sehen wir nur noch selten, dafuer mehr Lehmhaeuser…
…und Trauben, Trauben und noch mehr Trauben!
Neben der besterhaltensten Ruine und dem heissten und tiefsten Ort Chinas,
hat Turpan auch noch eine weitere Superlative – das hoechste Minaret.
Das  Emin Minaret ist 44m hoch, hat am Fuss einen Durchmesser von 14m
und wurde 1777 komplett aus ungebrannten Lehmziegeln erbaut
Fuer uns geht es weiter Richtung unbekannt.

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