Am 29.07.2013 faehrt unser Zug am Morgen nach Dunhuang. Wir haben keine Sitzplatzkarten, aber finden heraus, dass es im ersten Wagen nach dem "wer zuerst kommt" Prinzip ablaeuft.
 |
Faehrt man in Chinas entlegenere Regionen, kann man sich vollster
Aufmerksamkeit sicher sein - Manuel macht gerade nichts ausser sitzen. |
 |
| Wenn man etwas "Besonderes" macht, kennt die Neugierde keine Grenzen. |
 |
Dunhuang war wie Jiayuguan wichtiger Teil der chinesischen Verteidigunslinie
im Westen. Der Name bedeutet uebersetzt "Aufflammender Feuerturm" und
deutet damit auf die vielen Signaltuerme hin, welche ueber die weiten
Distanzen der Gobi angreifende Feinde an die im Osten gelegenen
Stuetzpunkte melden konnten. |
 |
Durch den stetig wachsenden Handel auf der Seidenstrasse wurde Dunhuang von
einem militaerischen Stuetzpunkt, zu einer grossen und reichen Handelsstadt
- der interkulturelle Austausch nahm ein neue Dimension an. |
 |
Ein Zeugniss fuer die kulturelle Besonderheit der Stadt befindet sich einige
Kilometer ausserhalb - die Mogao Hoehlen. Wir haben das Glueck uns einem
netten, deutschen Paaerchen und ihrer deutschen Fuehrung anschliessen zu
duerfen - es folgen mehrere Stunden gebrochenes Deutsch, etwas weniger
Infomationen als erhofft, dafuer aber eine sehr entspannte und lustige Athmosphaere. |
 |
| Auch hier wird, aehnlich wie in Jiayuguan, alles auf den Ansturm 2015 vorbereitet und das Wahrzeichen der Hoehlen, der hoelzerne, neunstoeckige Turm, restauriert. Durch die Hochzeiten der Seidenstrasse, sind die Hoehlen "Besucherstroeme" gewoehnt. Der Bau begann im vierten Jahrhundert, mit grossem logistischem Aufwand wurden, bis ins zwoelfte Jahrhundert, ca. 1000 Hoehlen gegraben, von denen heute noch ca. 700 existieren. Mit Ende der Yuang Dynastie wurde die Hauptstadt Richtung Osten verlegt, gleichzeitig grosse Teile Zentralasiens von islamischen Voelkern besetzt, welche hohe Zoelle von den Karawanen forderten. All dies trug zum Niedergang der Seidenstrasse und dem Ausbau des Seehandels bei, wodurch Dunhuang schnell an Bedeutung verlor und die Periode ihrer kulturellen Bluete endete. |
 |
Besonders in der Tang (608-907) und in der Yuan Dynastie
(1227-1368), in denen China Superweltmacht war,
entstanden bedeutende Kunstwerke. |
 |
Als Ursprungsland fuer die buddhistische Hoehlenkunst, sowie fuer den
Buddhismus selbst, steht Indien. Ueber die Handelsrouten der Seidenstrassen
gelangte beides nach China und wurde von den Regierenden nicht
diskriminiert, sondern genuzt, um die Gunst des Volkes zu gewinnen.
 |
| Mithilfe des Buddhismuses festigten die jeweiligen Herrscher der Dynastien ihren Rechtsanspruch. Dabei wurde vorallem von dem Bild der Bodhisattvas gebraucht gemacht. Bodhisattvas sind erleuchtete Wesen, welche den Einzug ins Nirvana verzoegern, um ihren Weggefaehrten die Rettung/Erleuchtung zu ermoeglichen. Sie sind Autoritaetspersonen und handeln selbstlos und mit Mitgefuehl - eine nuetzliche, Metapher fuer die Herrschenden und ihre politische Legitimation. |
|
 |
In den Hoehlen selbst, darf man nicht fotographieren.
Im angeschlossenen Museum offiziell auch nicht
- was allgemein und auch von uns ignoriert wird. |
 |
Einige Informationen sind interessant; z.B.: der kulturelle Einfluss
verschiedener Laender auf die Hoehlenkunst. |
 |
Es ist zu lesen, dass sich zu allen Zeiten Moenche aus den
unterschiedlichsten Regionen in den Mogao Hoehlen aufhielten.
Berichtet wird von mongolischen, tibetischen, uygur, iranischen als auch
indischen Moenchen, die dort lebten und arbeiteten. |
 |
Diese unterschiedlichen Regionen hatten zu verschiedenen Zeiten
mehr oder weniger Einfluss, was sich in der Kunst widerspiegelt.
Durch eigene Recherche erfahren wir, dass die Hoehlen nicht von Kaufleuten
finanziert wurden, um fuer eine sichere Reise zu bitten, sonder von
den Wohlhabenden der Region. Diese konnten damit, aehnlich der
Ablassbriefe in der katholischen Kirche, ihre Erleuchtung und dadurch
ihr gesellschaftliches Ansehen vorantreiben. |
 |
Mit der Seidenstrasse kamen nicht nur Moenche mit neuen Gedanken, sonder
auch Kuenstler mit neuen Techniken und anderen Stilen in die Region. |
 |
So findet man auch Abbildungen von Figuren
mit z.B. indischer Kleidung in den Hoehlen. |
 |
Eine Besonderheit der Mogao Hoehlen ist die Verwendung von
blauen und gruenen Pigmenten aus dem Iran und Afghanistan. |
 |
Ueber die Jahre verschmelzen die anfaenglichen indischen und persischen
Kunststile mit diversen anderen Einfluessen zu einem spezielen Dunhuang-Stil. |
 |
| Im Laufe der Zeit mischen sich mehr und mehr chinesische... |
 |
| ...Characteristika unter die buddhistischen Motive. |
 |
| Somit sind die Hoehlen nicht nur Kunstwerke,... |
 |
...sonder bilden auch die kulturelle
Entwicklung der jeweiligen Zeit ab. |
 |
| Nach soviel Kultur, wollen wir uns der zweiten Attraktion Dunhuangs widmen. |
 |
Dafuer sind wir morgens sehr zeitig aufgestanden, da eine Duenenbesteigung
gegen Mittag in der Wueste von uns als nicht clever eingestuft wurde. |
 |
| Anstrengend bleibt das Unterfangen aber trotzdem. |
 |
| Die Belohnung fuer die Muehen ist der Blick auf die Duenenlandschaft. |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen